Der ganz besondere Wahnsinn: Streifzug durch das Chaosland Internet

Was bekommt man, wenn man einen x-beliebigen Begriff bei Google eingibt, wie man das manchmal so tut, wenn man mit einer Recherche beginnt? Richtig, man kann lernen, was Wikipedia dazu zu sagen hat und damit Millionen von Internetnutzern weltweit. Hier also erfahre ich unter dem Suchbegriff „Webseite“:

„Als Webseite (eine Wortzusammensetzung aus „Web“ und „Seite“), Webdokument, Internetseite oder kurz Seite wird ein Dokument als Bestandteil eines Angebotes oder einer Präsenz im World Wide Web bezeichnet, (…)“

Mir sticht nach mehrmonatiger Jagd durch die unwegsamen Sphären des Internets dabei vor allen Dingen das kleine Wörtchen „Angebot“ ins Auge. Denn etwas scheinen diverse Verantwortliche an deutschen Hochschulen bisher noch nicht richtig verstanden zu haben und deshalb sei ihnen das Studium (was ein Wortwitz!) des oben genannten Artikels sehr ans Herz gelegt. Sie sollten nämlich ein Angebot machen, dass viele Menschen nutzen wollen, um sich zu informieren. Oder wie in meinem Fall gar keine andere Wahl haben, weil sie kaum anders an Informationen kommen können.

Symbolbild Universitätswebseiten | BlogStudent.de

Symbolbild Universitätswebseiten ‚© S. Hofschlaeger / pixelio.de'

So heißt es weiterhin im oben beschriebenen Artikel:

„Webseiten bestehen zumeist aus strukturiertem Text, in dem Bilder und andere Multimediaelemente eingebunden sein können.“

Man beachte an dieser Stelle das Wort „strukturiertem“. Eine solche Struktur ist unter Umständen sehr hilfreich. Ärgerlich ist hingegen, wenn sie nicht vorhanden ist. Und das ist leider viel zu oft der Fall. Mit dieser Einschätzung stehe ich keinesfalls alleine da. Bereits im Jahr 2003 stellte das Institut ProfNet den deutschen Hochschulen kein gutes Urteil im Bezug auf ihre Internetpräsenz aus. Im Vergleich zur gleichen Studie 5 Jahre zuvor„entwickeln sich die Hochschulen nicht weiter – zumindest im Internet.“ Dieses Gefühl habe ich auch. Die Experten gingen sogar soweit zu sagen, man habe „das Internet nicht verstanden oder will ganz einfach nicht über das Internet mit Kunden und vor allem mit den Studierenden kommunizieren“.

Ich möchte an dieser Stelle mal festhalten, dass ich selber von EDV herzlich wenig Ahnung habe, aber ich bin User und als solcher sollte ich eine Website doch als einladend empfinden, oder? Meine Erfahrungen sind ähnlich wie die der Experten, auch wenn uns mittlerweile fast 9 Jahre  trennen: „Verhältnismäßig gut schnitten die Hochschulen noch beim Inhalt ab, schlecht kamen Handling und Layout weg.“ heißt es auf der Seite Innovations-report.de dazu. Kurz gesagt: Die Infos sind alle da, man findet sie nur kaum. So kommt man auf der Webseite zu einem „eher vernichtenden Urteil.“ Nett gesagt.

Die Kollegen von social2buisness.com haben einst 10 Tipps für eine gelungene Webseite zusammen gestellt. Liest man sich diese Liste durch wirkt das wie Hohn, im Vergleich zu den meisten Hochschulseiten. Beispiel gefällig? Gern! So findet sich unter „Punkt 2: Gesamtbild“ der Hinweis:

„Egal welcher Branche Sie angehören, sorgen Sie dafür, dass das Gesamtbild Ihrer Website stimmig ist. Lassen Sie dabei überflüssige Elemente weg, konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche – und zwar auf den Kundennutzen.“

Und ich als Kunde sehe mir dann, quasi als Fallbeispiel, die Startseite der Universität Hamburg an. Hier stimmt auf den ersten Blick eine Menge nicht, aber vorne weg doch mal das Gesamtbild. Ich fühle mich erschlagen von der Maße an Dingen die auf mich einstürzen. Klar man will alles Wichtige sofort auf einen Blick haben, aber das kann doch wirklich nicht alles so wichtig sein. Dabei hat die Uni Hamburg so viel zu bieten: Spannende und teils ungewöhnliche Studiengänge, eine tolle Stadt mit schier unbegrenzten Möglichkeiten und ein klasse Hochschulsportangebot. Stattdessen soll ich wissen, wo es zum Shop geht, dass man eine familiengerechte Hochschule ist und dass, das Studien-Infonetzwerk StiNE heißt. Bei so einem Empfang hat man gar keine Lust mehr, weitere Informationen zu sammeln.

Zumindest an „Punkt 3: Multimedia-Elemente“ scheint sich die RWTH Aachen orientiert zu haben, die als technische Hochschule und Gewinner der Exzellenzinitiative ja einen Ruf zu verlieren hat, als sie auf ihrer Startseite die Verlinkung zu einer eigenen Webcam eingerichtet haben. Der Nutzen sei mal dahin gestellt, aber der gute Wille zählt ja bekanntermaßen. Ansonsten sieht die Homepage allerdings ziemlich nach Hobbykeller aus. Ich kenne Amateure die könnten das zumindest von der Grafik her besser. Solche Menschen müssten doch auch an einer der besten technischen Hochschulen des Landes zu finden sein. Und wenn man sich dazu durchringt auf den Button „Studieninteressierte“ zu klicken wird es nicht besser, weil man dann ja wahrscheinlich auch schon keiner mehr ist.

Offenbar ist ein erfolgreiches Abschneiden bei der Exzellenzinitiative kein Hinweis auf eine gute Webseite. Weder die „digitalen Visitenkarten“ von Heidelberg oder Tübingen überzeugen mich wirklich, während ich bei der Freien Universität Berlin zunächst partout nicht die Erasmus-Partnerschaften finden konnte. Also probierte ich es mit der Suchfunktion. Das hat mich dann vollständig verwirrt. Womit wir dann auch bei „Punkt 7: Suchmaschinenoptimierung“ wären. Zumindest hier muss man allen Hochschulen lassen, dass sie bis her bei all meinen Suchen noch der erste Googletreffer waren.

Ein Hoffnungsträger auf dem brachen Feld der Uni-Website ist die Universität des Saarlands. Fleißige und zudem langjährige Leser des UniSpiegels werden sich erinnern, dass bei einer Erhebung der JGU Mainz von 2006 diese noch einen der hinteren Plätze belegte. Das konnte ich jetzt kaum glauben, als ich der Seite einen Besuch abstattete. Übersichtlich und gut strukturiert begegnete mir die Startseite und von links fliegt eine Eule ins Bild, das Symbol der Universität. Note sehr gut, vom Design- wie vom Wohlfühlfaktor. Nur, dass die Webseite zuletzt nicht mehr zu erreichen war versalzt mir ein bisschen die Suppe, womit sich der bisherige Eindruck bestätigt. So empfiehlt social2buisness nicht zu Unrecht unter „Punkt 6: Website-Schnelligkeit“:

„Nichts ist nerviger als eine Website mit langen Ladezeiten. Denn warten mag niemand gerne. Vor allem im Netz nicht, wo Informationen rund um die Uhr zur Verfügung stehen.(…) Denn eine Website mit langen Ladezeiten wird von Usern meist sofort wieder verlassen und es wird nach Alternativen gesucht. Ein herber Verlust für Sie!“

Hoffnung macht mir schließlich auch ein kurzer, fast überlesener Satz am Ende des zu Beginn erwähnten Wikipedia-Artikels, wo es da heißt:

„Es drängen mehr und mehr, meist PHP und MySQL basierte (was auch immer das sein mag, Anm. des Autors), Lösungen in freier Software auf den Markt, die auch für ungeübte Programmierer schnell zu bedienen sind, solange sie eine gewisse Komplexität nicht übersteigen.“

Na dann mal fröhlich frisch ans Werk liebe Systemadministratoren, möchte man da doch in Richtung aller Universitätsstädte rufen.

Jan Duensing

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