Der ganz besondere Wahnsinn – Reisen bildet!

Ich habe es getan! Ich habe meine erste Uni-Bewerbung gemacht (in Düsseldorf) und es werden noch viele in den nächsten Wochen  folgen…

So sollte dieser Artikel eigentlich beginnen, doch dann begann ich durch Indien zu reisen und sah all die Plätze die einem Reisenden begegnen, der den Süden des Subkontinents besucht. Also verschiebe ich das Bewerbungsthema noch ein bisschen und erzähle lieber, was ich so auf meiner Reise gelernt habe .

Denn ich habe vieles gelernt von diesem Land. In Mumbai habe ich das Leben in einer weltläufigen Großstadt kennen gelernt, in Goa einen wahren Sehnsuchtsort westlicher Reisenden und in Hampi das Gefühl für die Imposanz einer lange untergegangen Herrscherdynastie.

Symbolbild Indien | BlogStudent.de

Symbolbild Indien (Gateway of India) ‚© C. Sürgers / pixelio.de'

Was habe ich also mitgenommen für meine Zukunft, meine Lebensplanung, meine Zeit an der Universität? Klar, es gab Schlüsselerlebnisse. Etwa wenn ich wieder einmal in einem der zahllosen hinduistischen Tempel stand und mir wünschte mehr zu verstehen, über die geschichtlichen Zusammenhänge, die Architektur, die Bildhauereien. Was natürlich genauso für Moscheen, Kirchen und viele andere historischen Gebäude galt. Denn ein Monument, wie das weltberühmte Gateway of India in Mumbai, bekommt eine ganz neue Dimension, wenn einem bewusst wird, dass mit George V. 1911 hier erstmals ein britischer Monarch seinen Fuß auf indischen Boden gesetzt hat. Und das nach immerhin 161 Jahren der Kolonialisierung.

Indien verändert dich. Dieses Sprichwort trägt sehr viel Wahrheit in sich. Tatsächlich gibt es wohl kaum jemanden, den dieses Land ungerührt lässt, im guten wie im schlechten Sinne. Sicherlich gibt es auch genug Negatives zu erzählen. Die Bilder von Bettlern, verdreckten, überbevölkerten Städten und Slums sind in der westlichen Welt weithin bekannt. Hinzu kommen, speziell an den Touristenorten, eine schier endlose Zahl an Schleppern, die dem „reichen Weißen“ alles mögliche andrehen wollen. Das reicht von allerlei Nippes über Hotelzimmer bis hin zu illegalen Drogen. Bei manch einem Reisenden sollen diese Umstände schon zur vorzeitigen Flucht in die Heimat geführt haben.

Sie führen nach einiger Zeit der Übung aber auch zu einer inneren Ausgeglichenheit und Ruhe, die auch in komplizierten Situation kaum erschüttert werden kann. Frei nach dem Motto: „ Ich habe schon ganz andere Sachen erlebt!“ Auch die Erfahrung, sich mit ständig neuen Situationen auseinandersetzen zu müssen, ist sicherlich im Studium hilfreich. Auch hier hat man es schließlich erstmal mit einer völlig neuen und ungewohnten Situation zu tun.

Hinzu kommt in Indien ein völlig anderes Wertesystem, als wir es aus unserem Kulturkreis kennen. Sich von eigenen Normen zu lösen und nicht immer alles durch die „westliche Brille“ zu sehen, das ist die große Herausforderung. Nur so kann man sich in der fremden Welt einfühlen und gewinnt gleichzeitig die Chance seine eigene Sicht der Dinge zu hinterfragen. Ein hohes Maß an Reflexion ist schließlich in vielen Situationen des Lebens hilfreich, nicht nur auf Reisen.

Schließlich und endlich gilt: Ich habe in vielen Hotels, Guest Houses und Lodges übernachtet, aber auch in Bussen und Zügen. Manche boten viel für ihr Geld, andere waren nur zu ertragen, weil man wusste: „Es ist ja nur für eine Nacht“. Wer aber schon mal in einer indischen Low-Budget-Unterkunft übernachtet hat, der weiß, dass einem jede noch so miefige Studentenbude wie ein luxuriöses Apartment vorkommt. Es gibt immer Strom und heißes Wasser (vorausgesetzt man zahlt rechtzeitig seine Rechnungen), muss nicht permanent um den überhöhten Touristenpreis feilschen oder Angst haben, dass schon alles voll ist. Kurz: Man weiß, wo man Nachts schlafen kann. Und das ist nach Monaten des Reisens eine wirklich schöne Sache.

Jan Duensing

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