Bericht: Studentische Einnahmen

Viele Studenten leiden unter chronischer Geldknappheit und sind deshalb ständig auf der Suche nach Möglichkeiten die Ausgaben zu verringern, oder durch das Opfern eines Großteils ihrer Freizeit etwas Geld mit Nebenjobs hinzuzuverdienen.

Wie viel Geld ein Student zum Leben braucht ist schwer zu sagen. Die Lebensunterhaltungskosten entscheiden sich von Studentenstadt zu Studentenstadt erheblich. Alleine der Unterschied zwischen den Mietpreisen beträgt im Vergleich der teuersten und billigsten Studentenstädte mehr als 100 Euro.

Dennoch ist es interessant einmal genauer zu betrachten, wie viel Geld der durchschnittliche Student monatlich zur Verfügung hat und woraus sich diese Einnahmen zusammensetzen. Zu diesem Thema haben wir bereits vor über einem Jahr eine Umfrage gestartet, die es nun ebenfalls auszuwerten gilt.

Symbolbild Umfrage | BlogStudent.de
Symbolbild Umfrage ‚© Thorben Wengert / pixelio.de'

Um neben der Umfrage auf BlogStudent.de auf repräsentativere Daten zurückgreifen zu können, bietet sich eine Betrachtung der Ergebnisse der 19. Sozialerhebung an. Hierbei wurden mehr als 16.000 Studenten befragt. Die aktuellste Sozialerhebung beeinhaltet dabei die Daten aus dem Jahr 2009.

Ganz wichtig zu erwähnen: Die Ergebnisse der Sozialerhebung im Bereich der Einnahmen beziehen sich auf den “Normalstudenten”. Als “Normalstudent” in diesem Sinne gilt jeder ledige Student in einem Erststudium, der außerhalb des Elternhauses wohnt. Das trifft auf etwa 65% aller Studierenden zu. Bei unserer Umfrage haben sicherlich auch Studenten teilgenommen, die nicht diesen Kriterien entsprechen. Dementsprechend sollten die Umfrageergebnisse zwar nicht dramatisch von denen der Sozialerhebung abweichen, sind aber auch nicht direkt miteinander vergleichbar.

Wie viel Geld steht Studenten monatlich zur Verfügung?

Symbolbild Einnahmen | BlogStudent.de
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Laut Sozialerhebung waren es also 2009 durchschnittlich 812 Euro, die einem Studenten monatlich zur Verfügung standen. Laut unserer Umfrage auf BlogStudent.de kamen die 143 Teilnehmer auf durchschnittlich circa 720 Euro monatlich.

Wie sieht die Einnahmenverteilung aus?

Symbolbild Einnahmenverteilung | BlogStudent.de
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Die hier dargestellte Einnahmeverteilung lässt sich also ungefähr wie folgt darstellen. 7% der Studenten haben Einnahmen im Bereich bis 500 Euro, eine deutliche Mehrheit von 76% befindet sich im Bereich 500-1000 Euro und eine kleine Gruppe von immerhin 17% hat Einnahmen über 1000 Euro. Dazu im Vergleich das Ergebnis der Umfrage auf BlogStudent.de grafisch:

Symbolbild Umfrageergebnis | BlogStudent.de
BlogStudent.de

17% sind hierbei im Bereich unter 500 Euro, 72% haben Einnahmen zwischen 500 und 1000 Euro und 11% sogar mehr als 1000 Euro monatlich zur Verfügung. Die 10% Abweichung im Bereich unter 500 Euro im Unterschied zur Sozialerhebung erklären die niedrigeren Durchschnittseinnahmen der Umfrageteilnehmer im Vergleich zum Ergebnis der Sozialerhebung. Der Grund für diese Abweichung sind vermutlich Studenten, die nicht außerhalb des Elternhauses wohnen und deshalb in der Regel einen niedrigeren Geldbedarf haben. Insgesamt sind die Ergebnisse jedoch ähnlich. An dieser Stelle mal ein Dankeschön an alle, die an der Umfrage teilgenommen haben.

Woher stammen die Einnahmen der Studenten?

Symbolbild Finanzierungsquellen | BlogStudent.de
DSW/HIS 19. Sozialerhebung

Die Grafik zeigt, dass die Eltern nach wie vor die wichtigste Finanzierungsquelle darstellen. Ungefähr die Hälfte des studentischen Einkommens kommt von ihnen. Eigener Verdienst macht immerhin 26% der Einnahmen aus, der Anteil des BAfögs ist für mich überraschend gering. Während etwa 65% der Studenten angaben, sich Geld neben dem Studium zu verdienen, bekamen nur 29% der Bezugsgruppe “Normalstudent” überhaupt BAfög. Als “übrige” Finanzierungsquellen gelten unter anderem Stipendien (bekamen nur 3%) und Studienkredite (5% nahmen einen solchen Kredit auf).

Bei weiterem Interesse an diesem Thema empfehle ich eine nähere Beschäftigung mit der Sozialerhebung, die eine Unmenge an Daten bereitstellt. Da mit diesem Artikel die Umfrage “Wie viel Geld hast du als Student monatlich zur Verfügung?” beendet ist, wird es bald eine neue Umfrage geben. Ich würde mich freuen, wenn sich auch daran wieder viele Besucher beteiligen würden.

Felix

Zurück zur Startseite

11 Gedanken zu „Bericht: Studentische Einnahmen“

  1. Geld ist fur Studenten immer ein problematisches Thema gewesen. Eigentlich, müssten wir uns fragen, wem von uns, ‘den erwachsenen Menschen’, Geldmangel keine Kopfschmerzen bereitet?

    Die ‘VonwokriegichjetztGeld?’-Frage wurde in den Sozialerhebungsdaten sehr gut veranschaulicht. Wie bereits auch vom Autor erwähnt ist die Anzahl der Bafög-Stipendiaten noch immer erstaunlicherweise gering…welche Lösung findet in dieser Situation ein Student, der seine Eltern nicht ausnutzen will? Nebenjobs, wie auch in den Umfragen steht. Nebenjob + Vorlesung +Klausur + Sozialleben: eine solche Kombination ist es nicht so leicht zu bewältigen. Daher fragt man sich, ob es Studenten wirklich so leicht haben, wie man denkt?
    Kosten sind immer hoch. Ersparnisse sind immer notwendig. Hilfe von den Eltern bleibt aber immer eine vernünftige Ersatzlösung. Vielleicht die Vernünftigste, wie es auch in den erhobene Daten zu sehen ist.

    Wer sich leider auf die Suche nach einem Stipendium macht, muss geduldig, beharrlich sein, Lust auf die Anfertigung zahlreicher Motivationsschreiben haben, aber auch wenn es Willen gibt, schaffen nur, wie bereits gesehen, 3% der Studenten ein Stipendium zu kriegen.

    Soll Bankkreditaufnahme eine gute Perspektive sein? Als frischer Bachelorabsolvent schon Schulden zu haben? Irgendwie klingt es nicht so gut für die Anfangsbilanz. 95% der Studentenb glauben das vermutlich auch…

  2. Durch die Umstellung von Diplom auf Bachelor verschärft sich das Ganze noch, da durch den Schulcharakter des Bachelors wesentlich weniger Zeit fürs jobben bleibt…auf kurz oder lang werden bald nur noch die Reichen oder die Bafög Empfänger studieren, alle anderen können sich das nicht mehr leisten.

  3. Ich sag mal so: In Deutschland kann man noch einigermaßen gut studieren. Schaut man sich die Verhältnisse in GB an, wo die Studiengebühren auf einmal explodiert sind, dann ist man wirklich froh in Deutschland zu leben und hier studieren zu dürfen.

    Wenn man nicht gerade aus einem reichen Elternhaus kommt, bleibt einem britischen Studenten nichts anderes übrig als ins billigere Ausland zu gehen. Und das Studieren im Ausland ist ja wiederrum auch mit Kosten verbunden. Ein Teufelskreis…
    LG Micha

  4. Ehrlich gesagt, ist es ein großer Nachteil dass der intelligente Teil unserer Bevölkerung (Studenten) kaum unterstützt wird. Jeder Schulabbrecher hat mehr Anrecht auf Unterstützungsgelder als ein Student, welcher diese gelder sogar noch zurückzahlen muss. Irgendwas läuft fasch und sollte unbedingt überdacht werden. Schließlich sind Studenten die Steuerzahler von morgen.

  5. Das finde ich auch, “Start-Seite.net”. Da läuft doch gehörig was schief! Einige können nicht mal anfangen zu studieren, weil das Kapital einfach fehlt. Das kann doch nicht richtig sein! Wir sollten stattdessen unterstützt werden!!! Nur wem sag ich das? Echt nicht schön sowas…. Die Leute die was aus ihrer Zukunft machen möchten brauchen auch einfach erstmal Unterstützung. Wenn man 700-800 verdient (wie laut dieser Grafik) ist es ja schonmal nicht schlecht, aber das ist doch eher die Ausnahme….

  6. Vorsicht. Ich denke auch, dass es in Deutschland noch recht gemütlich zugeht. Klar, dass Studenten auch Unterstützung brauchen. Nur nach 12 Semestern muss auch mal wieder gut sein, oder?

  7. Ich stecke momentan in der Misere des Studentenlebens, Finanzierung unabhängig des Elternhauses, plus Klausuren, plus Lernen, plus Praktika, plus Freunde… No way oder extremer Stress und was leidet darunter? Die Noten.
    Das Problem mit dem Kredit ist wie schon gesagt wurde, dass man dann mit Schulden ins Berufsleben startet, ob das sinnvoll ist kann ich euch in einigen Semestern sagen, wenn ich dann mit Schulden in der Arbeitswelt beginne, denn nach nunmehr 4 Semestern sprichwörtlich mit der Hand im Mund zu leben, geht dermaßen an die Substanz dass sich unser Staat das Prinzip des Sozialstaates überlegen sollte.

  8. Ich als Student würde auch einiges an Geld brauchen. Finde es aber nicht gut wenn mann neben dem Studium noch arbeiten gehen muss um sein Leben bestreiten zu können. Darunter leidet der Stoff des Unterichts und die Leistung der Person.

  9. Das ist eine sehr interessante Auflistung der Einkommensverhältnisse eines Studenten.
    Ich finde es bemerkenswert, dass die Eltern die größten Geldgeber sind und sich dieser Wert über die Jahre kaum noch verändert hat.
    Dennoch haben es studenten nicht einfach. Sie müssen das Lernen und das Arbeiten unter einen Hut bringen und müssen dafür sehr viel Zeit opfern.

  10. ich glaube es ist wirklich schwer hier eine lösung zu finden…untersützung klar aber auch nur für die die ernsthaft und zielstrebig ihr studium absolvieren wollen, es gibt genug die sich auf der unterstützung, sei es vom elternhaus oder wie auch immer einfach ausruhen und die auch nicht daran interessiert sind ihr studium in einer angemessenen zeit zu absolvieren…das schlimme ist das die unis selbst das oftmals sogar unterstützen und einem immer wieder einreden, dass das studium zum experimentieren da sei und man sich ruhig viel zeit lassen solle…blödsinn meiner meinung nach

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.