Wenn Studierende auf Wohnungssuche gehen – Tipps für den richtigen WG-Mietvertrag

Die Wohngemeinschaft ist eine günstige und interessante Alternative zur ersten eigenen Mietwohnung oder dem Wohnheim, weshalb viele Studierende auf die WG vertrauen und so ihren Start in das turbulente Uni-Leben beginnen. Doch sollte der Mietvertrag gut inspiziert werden, damit nach dem Einzug kein böses Erwachen folgt.

Symbolbild Mietvertrag | BlogStudent.de
Symbolbild Mietvertrag ‚© Gerd Altmann / pixelio.de'

Tipp 1 – Modelle der WG-Mietverträge
Vor dem Einzug nach der Art der WG fragen

Es kann bei der WG zwischen zwei Mietverträgen unterschieden werden.

Typ A: Bei diesem Modell sind alle Mitglieder einer WG zusammen eine Partei des Mietvertrages, die andere Partei ist dabei der Vermieter. Dadurch ist die Anzahl an Mietern von vornherein festgelegt und es gelten weitere Besonderheiten. So erfolgt ein Wechsel eines Mitgliedes nur über eine Vertragsübernahme, d.h. wenn jemand auszieht und ein neuer Bewohner einzieht, muss der neue Bewohner den Vertrag übernehmen. Je nach Vertrag kann der Vermieter zudem festlegen, dass ein Mieterwechsel generell nicht erfolgen darf.

Zudem kann der Vermieter ein Mitglied entlassen und einen Nachfolger bestimmen, ohne dass die anderen Mitglieder dagegen vorgehen können. Wird die WG seitens der Mieter gekündigt, so müssen alle Mitglieder die Kündigung einreichen und umgekehrt muss der Vermieter bei einer Auflösung seinerseits allen Mitgliedern kündigen.

Typ B: Im alternativen Fall stellt ein Mieter, der Hauptmieter, eine Partei des Mietvertrages dar, wodurch jener weitere Mitglieder als Untermieter in sein Mietverhältnis mit aufnehmen darf, wobei die maximale Anzahl an Untermietern im Hauptmietvertrag festgelegt ist. Zu beachten ist hier, ob der Hauptmieter eine generelle Erlaubnis zur Untervermietung vorweist, denn dann darf dieser ohne Zustimmung des Hauptvermieters Bewohnerwechsel veranlassen und zulassen.

Verfügt der Hauptmieter jedoch über eine personengebundene Erlaubnis, muss der Hauptvermieter einem Mitbewohnerwechsel zustimmen, jedoch darf der Hauptmieter ohne Zustimmung ein WG-Mitglied entlassen. Nachteil dieses WG-Modells ist, dass die Untermieter an die Bestimmungen des Hauptmietvertrages gebunden sind und der Hauptmieter gegenüber den anderen WG-Bewohnern eine treuhändische Funktion innehat.

Tipp 2: Allgemeine Haftung der WG-Mitglieder
Nicht immer haftet jeder für jeden in einer Wohngemeinschaft

Mietverbindlichkeiten wie die Miete (Primärverbindlichkeiten) oder das Aufkommen für Schäden (Sekundärverbindlichkeiten) werden per Haftung im Mietvertrag geklärt.

Bei Primärverbindlichkeiten haften dabei grundsätzlich alle WG-Mitglieder persönlich und unbeschränkt, entweder gemäß §§ 427,421 ff. BGB wegen gemeinschaftlicher Mitverpflichtung oder kraft Gesetzes nach § 128 HGB für die fremde Verbindlichkeit der WG. Wird also die Miete nicht gezahlt, muss in jedem Fall auch nur dieser Mieter dafür aufkommen.

Sekundärverbindlichkeit: Ist die WG als Typ A aufgestellt, so haftet nur das WG-Mitglied, das die vertragliche Pflicht verletzt hat gemäß § 425 BGB und § 425 Abs 1 in Verbindung mit Abs. 2 BGB. Gehört die WG jedoch dem Typ B an, so haftet die ganze Gemeinschaft, sollte ein Mieter eine Sekundärverbindlichkeit verletzt haben.

Tipp 3: Haftung von eintretenden und austretenden Mitgliedern
Im Mietvertrag auf den Punkt Mieterwechsel achten

Die Haftung für austretende und neue Mitglieder einer Wohngemeinschaft richtet sich ebenfalls nach der Art des Mietverhältnisses, weshalb erneut auf die Bedeutung dieser Information hingewiesen sei.

Für den Typ A gilt, dass der Vertrag eines ausziehenden Mitglieds an den Nachfolger übergeben wird, wobei der Vermieter dem Wechsel zustimmen muss; jedoch darf dieser nicht ohne Angaben von triftigen Gründen die Aufnahme einer neuen Person ablehnen. Theoretisch müsste das neue Mitglied bei Übernahme des Vertrages auch bis dahin angefallene Mietverbindlichkeiten übernehmen. Deshalb muss darauf geachtet werden, dass ein neuer Mieter per Mietvertrag eben nicht für vergangene Versäumnisse aufkommen muss.

Ebenso sollte im Vertrag stehen, dass der austretende Bewohner nicht die Mietverbindlichkeiten des neuen Bewohners mit übernimmt, sonder nur jene, die bis dato evtl. angefallen sind. Außerdem muss der Auszug des austretenden Studierenden durch den Vermieter abgesegnet worden sein, da der Auszug allein nicht zur Kündigung reicht.

Für den Typ B ist ausschlaggebend, ob der Hauptmietvertrag so aufgestellt ist, dass der Hauptvermieter einem Auszug zustimmen muss oder nicht. Allgemein ist jedoch zu beachten, dass der Mietvertrag im Typ B nicht übertragen wird.

Muss der Vermieter einem Mieterwechsel nicht zustimmen, so gelten harte Haftungsbedingungen, denn gemäß § 736 Abs.2 BGB und § 160 HGB muss ein austretender Student dann noch weitere fünf Jahre nach Auszug für Mietverbindlichkeiten aufkommen. Ähnlich hart trifft es in diesem Fall auch neue Mitglieder.

Ist die Zustimmung des Vermieter jedoch nötig, so greifen die harten Bestimmungen nicht und ausziehende Studierende müssen nicht für künftige Versäumnisse des Nachfolgers aufkommen, es sei denn, der Hauptvermieter fordert dies ausdrücklich im Vertrag.

Zusammenfassend: Vor dem Einzug informieren

Nicht zwangsläufig muss der gesamte Mietvertrag durchforstet werden, denn oftmals kann einer der vorhandenen Bewohner einer WG diese Fragen schnell und präzise beantworten. In jedem Fall ist aber festzuhalten, dass der Typ A der einfachste und deshalb auch am häufigsten gewählte Mietvertrag ist.

Bei Typ B sollte nur darauf geachtet werden, dass der Hauptmieter zum einen über keine generelle Erlaubnis zur Untervermietung verfügt, der Hauptvermieter Mitgliederwechseln also zustimmen muss, und dass der Hauptmieter souverän und vertrauenerweckend in Erscheinung tritt.

Dieser Artikel ist ein Gastbeitrag von Just-Study.com, dem Portal zum Studium und Studieren.

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19 Gedanken zu „Wenn Studierende auf Wohnungssuche gehen – Tipps für den richtigen WG-Mietvertrag“

  1. Sehr gute Infos. Auch, wenn man mit seinem besten Kumpel zusammenzieht, sollte man darauf achten, dass alles seine Ordnung hat und im Vertrag geregelt ist. Streitereien etc. kann es immer mal geben, und dann ist es gut, wenn man bereits vorher alles bedacht hat.

  2. Auch ich bin Studentin…
    Das ist echt ein alltägliches Problem!

    Vielen Dank für die tollen Tipps, ich hoffe/denke dass sie mir weiterhelfen werden!

    Lg Julia

  3. Meiner Meinung nach ist es viel wichtiger, dass einem die WG-Bewohner halbwegs sympatisch vorkommen. Klar sind Gesetze und Verträge wichtig, aber wenn man sich gegenseitig vertraut ist das auch viel wert. Ich möchte damit nicht sagen, dass man nicht auf seine Verträge achten sollte, man sollte es aber auch nicht übertreiben mit Paragraphenreitereien.
    Grüße.

  4. Hallo Zusammen,

    ich wollte mich nur mal eben für diesen hilfreichen Artikel bzw. Blog-Eintag bedanken. Tipps für Studenten gibt es zwar wie Sand am Meer, aber einen hilfreichen findet mal nur äußerst selten. Also ein dickes Dankeschön!
    Herzliche Grüße aus Bremen

  5. Ups das scheint ja richtig aufwendig zu sein, wenn man eine WG gründen möchte. Da muss ich mir jetzt wirklich ernste Gedanke darüber machen, da ich im SS auch studieren möchte. Und ich muss mir auch eine günstig Unterkunft finden. Ich glaube da wäre es ja fast besser man hätte vorher schon ein Jura-Studium absolviert um solche Verträge abschließen zu können. Ich glaube ich muss mir mal deine Seite ausdrucken, die kann mir ganz nützlich werden.

  6. Hi,
    danke für diesen Beitrag. Ich bin auch kurz davor in eine WG zu ziehen. und zwar ziehe ich mit einem alten Klassenkameraden und einem mir unbekannten Typen zusammen nach Freiburg. Ich denke trotz Freundschaft muss man da Sicherheiten schaffen und da sind die Beispiele auf was man denn bei so einem Vertrag achten sollte sehr gut.

  7. Also ich finde den Artikel super under sehr sinnvoll. Ich kann es nur jeder Frau und jedem Mann raten, wenn ihr in eine WG zieht verabredet einen guten WG-Miet-Vertrag. Ich bin vor ein paar Jahren mit zwei Leuten zusammen gezogen, die ich nicht kannte und dass ganze lief ziemlich “schei*e” ( entschuldigt bitte den Ausdruck). Naja der eine Mitbewohner hat ziemlich viel Stress gemacht und am Ende blieben der andere Bewohner und cih auf den Kosten hängen.

  8. Finde dieses Artikel sehr aufschlussreich und informativ. Halte das Thema WG generell allerdings eher für problematisch. Ich selbst wohne zwar nicht in einer WG, aber nahezu alle meine Freundinnen die vor einigen Monaten in eine WG gezogen sind haben sehr schlechte Erfahrungen gemacht und planen jetzt bereits wieder ihren Auszug in ein Einzimmerapartement. Die Entscheidung für die WG sollte also gut überlegt sein.

  9. Das sind sehr viele gute Tipps, vielen Dank dafür. Ich mache dieses Jahr mein Abitur und werde wohl danach studieren gehen. Da ich keine Lust habe jeden Tag mit dem Auto zur Uni zu fahren, die womöglich auch was weiter weg liegt, werde ich mir wohl auch eine Wohnung suchen. Ich wusste nicht, dass man da so viele Punkte beachten sollte, aber das werde ich dann wohl tun, damit ich hinterher keine Probleme bekomme.

  10. Sehr interessanter Bericht. Die Wohnungssuche kann sich besonders in Uni-Städten als sehr schwierig herausstellen. Ich persönlich kenne das von Jena. Dort war es eine Tortour eine geeignete Wohnung zu finden.

  11. Ich habe die WG Zeiten zum Glück inzwischen hinter mir. Auch wenn es eine schöne Zeit ist, wenn sie zu Ende geht gibt es nicht selten Probleme weil sich jemand benachteiligt fühlt.

    Darum ist es auf jeden Fall gut wenn man sich mal mit den hier genannten Themen auseinandersetzt.

  12. Schöner Artikel und gute Informationen. Man sollte das Zwischenmenschliche nicht außer Acht lassen, aber dennoch ist es wichtig einen Überblick über die Verträge zu haben.

  13. Hallo,

    vielen Danke für die tollen Infos. Habe selbst schon zwei WG’s gegründet und konnte mich in den Tipps stets wieder finden. Solch eine Internetseite hätte ich gerne gehabt bevor ich meine erste WG gegründet habe!

    Ein persönliches Kriterium für mich ist ganz klar: Kein Teppichboden. Mir ist es bei Wohnungsbesichtigungen sehr oft passiert, dass in der Wohnung Teppichboden verlegt war, der schmutzig und über zehn Jahre alt war. Aber die Vermieter wollten nie Laminat Verlegen. Für mich gilt ganz klar, Teppichboden, nein Danke!

    Jeder der diese Tipps findet kann sich aber wirklich Glücklich schätzen!

    LG Peter

  14. Interessante Informationen, da hatte ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken dazu gemacht. Als WG-Mitbewohner gab es glücklicherweise auch noch nie Probleme mit den Mitbewohnern oder dem Vermieter.
    Wenn doch mal was ist, dann wäre man froh wenn man sich vorher rechtlich mehr abgesichert hätte oder Bescheid wüsste.

  15. @Peter: Genau, Teppichboden K.O. Kriterium. Habe schon häufiger gehört und auch selbst erfahren, dass bei Teppischboden ewig diskutiert wird. Ist einfach nur nervig und man kann es ja einfach auschließen und fertig!

  16. Danke für die super Tipps. In der aktuellen Situation auf dem Wohnungsmarkt ist man allerdings froh, wenn man überhaupt einen Platz in einer WG ergattert. Bei der letzten Wohnung, die ein Freund sich angesehen hat, kamen über fünfzig Bewerber auf ein Zimmer und ich habe von anderen gehört, dass dies nicht mal viel ist. Ob man da aufgrund des Teppichbodens ablehnt, möchte ich bezweifeln.

  17. Klasse Tips. Nach etlichen Jahren des Alleinelebens habe ich mich auch wieder für das Zusammenleben in einer WG entschlossen. Ein wenig Glück gehört natürlich dazu die passenden Mitbewohner zu finden. Hin und wieder eine gemeinsame Kochaktion oder alleine die Tatsache, dass man beim Gangin die Küche auf einen lieben Mitbewohner stossen kann machen allw Unannehmlichkeiten wert. Ich möchte das nicht mehr missen.

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