Der ganz besondere Wahnsinn – Studienplatzsuche aus dem Ausland

Doppelte Abiturjahrgänge, Studiengebühren, Mono- und Kombinationsbachelor – Wörter die ich bisher schon kannte, aber die sich erst jetzt mit Leben füllen. Und es geht noch weiter. Wo ist der Unterschied zwischen Erasmus SMP, SMS (das heißt wirklich so!), STT & STA und was in Gottes Namen ist ein integrativer Studiengang? Fragen über Fragen, die bei der großen und bedeutungsschweren Entscheidung nach der „Studienplatzwahl“ auftauchen.

Symbolbild Studienfachwahl und Zukunft | BlogStudent.de

Symbolbild Studienfachwahl und Zukunft ‚© Gerd Altmann / pixelio.de'

Gestatten: Ich bin der Abiturient, von dem jetzt überall so viel zu lesen ist, der an die Universitäten strömt wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Der in Hörsälen auf Treppenstufen sitzen muss, der nach Berlin will, weil es da so „hip“ ist und der am besten Ingenieur werden soll, weil die ja so gesucht werden. Doch bei mir liegen die Dinge noch mal etwas anders. Wobei so anders auch wieder nicht, denn wie ich gingen schon 2009 nach Angaben des Arbeitskreise Lernen und Helfen in Übersee über 9.000 junge Menschen allein für einen Freiwilligendienst nach dem Abitur ins Ausland. Die meisten zieht es bei diesen Erfahrung nach wie vor in die klassischen Work-and-Travel-Länder USA und natürlich Australien/ Neuseeland. Ich für meinen Teil verbringe ein Jahr mit dem entwicklungspolitischen Förderprogramm „weltwärts“ und dem ICJA in Indien. Aber auch Weltentdecker brauchen einen Studienplatz.

Natürlich beschäftige ich mich nicht erst seit gestern mit der Unisuche. Mal kurz die Fakten: Ich wusste,…
• dass ich unbedingt studieren will.
• dass ich gerne etwas im Bereich der Geisteswissenschaften machen will.
• dass ich in einer großen Stadt studieren will.
• dass ich definitiv NICHT Lehrer werden will.
• dass ich von zuhause raus will (schon wieder!)
• dass ich nicht 500 € pro Semester für Studiengebühren übrig habe.
So habe ich mir schon vor meinem Start ins „Abenteuer Ausland“ ein Bild der Lage und wusste zumindest grob, was ich wollte. Oder doch nicht? Es ist eben kompliziert. Aussuchen, einschreiben, studieren, Millionär werden; das haut doch eher nicht hin. So laufen diese zwei Herausforderungen für mich parallel: Einerseits sich auf eine neue Kultur und Lebensweise einstellen und darin heimisch werden und andererseits soweit mit „seinem Kopf in Deutschland bleiben“ um zu wissen, was danach kommen soll.

Ich musste zu meinem Leidwesen schnell lernen, dass ein Studieninteressent nicht so sehr eine Uni, sondern eine Uni vielmehr den Bewerber aussucht, sprich die Plätze begrenzt sind. Das böse Wort Numerus Clausus, mit dem ich mich vorher kaum beschäftigt hatte, begleitet mich jetzt auf Schritt und Tritt, immer wenn ich eine neue Hochschule entdeckt habe, um dann die dazugehörige Website zu studieren. Während andere Abiturienten durch die Republik fahren um sich diverse Hochschulen vor Ort anzusehen, muss ich mich aus 8.000 km eben damit zufrieden geben. Klar könnte man jetzt sagen, das hätte ich im Vorhinein schon mal machen können. Das wurde mir auch gesagt, wozu hat man denn eine Mutter? Aber wie so oft im Leben, fällt es eben oft schwer „um die Ecke zu denken“. Studieren war vor meiner Abreise einfach noch zu weit weg für mich, im doppelten Sinne.

Das hat sich mittlerweile geändert. Inzwischen bin ich froh, dass ich hier sein kann, auch und vor allem, weil es mir völlig neue Perspektiven eröffnet hat. Ich hatte das erste Mal die Gelegenheit völlig frei und zeitlich nahezu unbegrenzt über meine Zukunft nachzudenken oder zumindest wie ich sie mir vorstelle. Das führt bisweilen zu wirklich verrückten Gedankengängen und Ideen, aber auch zum Entdecken neuer Möglichkeiten, die ich vorher, in meinem festen Lebenskonstrukt in Deutschland nie als solche wahrgenommen hätte. Letztlich bin ich zum überwiegenden Teil wieder zu meinen ursprünglichen Gedanken zurückgekehrt.

Meine Suche nach der richtigen Universität hat Höhen und Tiefen erlebt. Während ich mir selbst am Anfang nur eine Handvoll Standorte zur Auswahl stellte, wurden diese in kürzester Zeit immer mehr. Schließlich entschied ich mich nach einigem Hin und Her aber doch dafür die Auswahl einzugrenzen. Bei jeder Gelegenheit kann ich lesen, dass es wichtig ist sich breit zu bewerben. Aber was ist das eigentlich? 5 oder eher 25 Bewerbungen? Und kann ich mich an einer Uni überhaupt auf mehrere Studiengänge parallel bewerben? Diese Frage stellte sich als besonders knifflig heraus, weil sie auf jeder Website einzeln mühsam geklärt werden musste.

Universitäten scheinen bisweilen ohnehin keinen übermäßigen Wert auf ihre Internetauftritte zu legen und es scheint ihnen Spaß zu machen, Informationen die man wirklich gerne hätte zu verstecken. Wer sich dann sich dann leicht verschaukelt fühlt, kann leicht die Lust verlieren.

Trotzdem ist es ein Glück, dass heute alles digital abläuft und so kann ich zumindest vom technischen Standpunkt kaum etwas falsch machen. Wenn die indische Internetverbindung denn mitspielt. Beachtet man dann noch die einzuhaltenden, manchmal stark abweichenden Bewerbungsfristen sollte doch eigentlich nichts mehr schief gehen können. Sollte man meinen. Doch Unis wollen Unterlagen, Zeugnisse, Lebensläufe, selbst wenn man noch gar keine Zusagen für einen Studienplatz hat. Ziemlich kompliziert, wenn man in einem Haus wohnt, das weder Hausnummer noch Briefkasten hat und im Süden des indischen Subkontinents liegt. Und so dürfen die Eltern zuhause wohl fleißig mithelfen, obwohl man doch eigentlich so unabhängig werden wollte!

Zudem bietet das World Wide Web zahllose Hilfestellungen, die den Suchenden mal mehr, mal weniger unterstützen. Und so sind der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) (www.hochschulkompass.de), das CHE-Hochschulranking auf Zeit Online (www.zeit.de/ranking) und das Portal studieren.de zu meinen ständigen Begleitern geworden.

Ja, es gibt viele Unwägbarkeiten auf dem Weg zum Wunschstudium. Ich werde in der nächsten Zeit ein bisschen detaillierter über dies und das berichten und hoffe dabei auf Interesse zu stoßen. Ich erhebe keinen Anspruch auf Objektivität und auch nicht immer auf Vollständigkeit, aber ich hoffe ein kleines Stück besonderes „Ersti“-Feeling vermitteln zu können. In diesem Sinne: Auf bald!

Jan Duensing

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