Studiengang: Rechtswissenschaft

Der Studiengang Rechtswissenschaft (oder kurz Jura) ist einer der beliebtesten Studiengänge überhaupt. Viele Studenten müssen jedoch im Laufe des Studiums feststellen, dass er doch nicht ihren Erwartungen entspricht. Hoffentlich hilft dieser kurze Überblick bei der Entscheidung.

Symbolbild Jura ("Justitia") | BlogStudent.de

Symbolbild Jura („Justitia“) ‚© Thorben Wengert / pixelio.de‘

Die Voraussetzungen

Der Numerus Clausus ist für ein Jurastudium längst kein Hindernis mehr. Wer einen Abiturschnitt von mit einer 1 vor dem Komma hat, der kann sich seine Universität beinahe vollkommen frei aussuchen. Wer zwischen 2-3 liegt, hat immer noch eine große Auswahl und selbst mit nur knapp bestandenem Abitur lässt sich noch ein Studienplatz finden. Die Anzahl an Studienanfängern in Jura ist zwar gigantisch, aber die Kapazitäten der Universitäten sind ebenfalls entsprechend groß. Vor allem am Anfang des Studiums mussten deshalb bei mir in Freiburg einige Studenten mit einem Stehplatz vorlieb nehmen. In den späteren Semestern nimmt der Andrang dann meiner Erfahrung nach deutlich ab.

Viele angehende Studenten wollen natürlich wissen, ob sie denn für ein Jurastudium geeignet sind. Das ist eine Frage, die sich auf keinen Fall mal so eben in einem kurzen Artikel beantworten lässt. Ein paar Eignungskriterien werden jedoch immer wieder genannt. Von großer Wichtigkeit für ein erfolgreiches Studium ist mit Sicherheit die Beherrschung der deutschen Sprache. Das geschriebene und gesprochene Wort ist das wichtigste Werkzeug eines jeden Juristen. Weiterhin ist auch eine gewisse Fähigkeit zum logischen und analytischen Denken vonnöten, wenn es komplizierte Sachverhalte zu lösen gilt. Fremdsprachenkenntnisse sind ebenfalls hilfreich. Lateinkenntnisse aus der Schulzeit sind vielleicht ganz nett, aber auf keinen Fall eine Voraussetzung für ein Jurastudium. Während dem Studium wird man den ein oder anderen lateinischen Fachbegriff lernen, mehr aber auch nicht. Man sollte zudem keine Abneigung gegen Bücher haben, denn man wird viel Zeit mit dem Lesen juristischer Lehr- und Fallbücher verbringen.

Beim folgenden kurzen Überblick über das Studium und die Berufschancen werde ich sicherlich weitere Punkte ansprechen, an denen jeder für sich selbst ein Stück weit feststellen kann, ob ein Studium der Rechtswissenschaft in Frage kommt, oder nicht.

Das Studium

Das Studium selbst ist natürlich nicht an jeder Universität exakt gleich. Gerade Unterschiede in den Prüfungsordnungen führen zu einigen wichtigen Unterschieden. Es macht also wenig Sinn, hierauf näher einzugehen. Allgemein lässt sich sagen, dass mehrere Voraussetzungen erfüllt werden müssen, um zum Staatsexamen zugelassen zu werden. Am wichtigsten ist hierbei das Bestehen der sogenannten kleinen und großen Scheine jeweils in den Bereichen Strafrecht, öffentliches Recht und Zivilrecht (eine Hausarbeit und mindestens eine bestandene Klausur). Weiterhin muss auch eine sogenannte praktische Studienzeit absolviert werden (mehrere Praktika z.B. bei Anwaltskanzleien oder einem Gericht). Neben den verschiedenen Prüfungen des Staatsexamens selbst, zählt auch der Schwerpunktbereich zur Abschlussnote hinzu. Hierbei wählt der Student zu einem bestimmten Zeitpunkt im Studium einen Schwerpunktbereich aus. Dadurch kann man sich in einem Rechtsbereich spezialisieren, der eigentlich im normalen Studium vielleicht nur am Rand behandelt werden könnte.  In diesem Schwerpunktbereich werden dann beispielsweise verschiedene Klausuren geschrieben und eine Studienarbeit angefertigt und präsentiert.

Während des Studiums besucht man nicht nur klassische Vorlesungen, die von Professoren vor hunderten Studenten gehalten werden und meistens eher theoretisch gehalten sind, sondern auch Übungen, bei denen einzelne Fälle besprochen und gemeinsam gelöst werden und auch kleine Arbeitsgruppen, bei denen sich wirklich jeder aktiv einbringen kann.

Ziemlich gewöhnungsbedürftig ist die Benotung. Gerade wer aus der Schule immer Höchstnoten gewöhnt ist, wird meist erstmal enttäuscht werden. In kaum einem Studienfach ist die Benotung so hart wie in Jura. Davon sollte man sich jedoch nicht entmutigen lassen. Nach einer Weile gewöhnt man sich an die neue Notenskala. Statt „sehr gut“ wie in der Schulzeit, lautet „vollbefriedigend“ das Ziel der meisten Studenten. Mit zwei mal „vollbefriedigend“ in den beiden Staatsexamen stehen einem fast alle Türen offen. Die Mehrheit der Studenten beendet das Studium mit „befriedigendem“ Abschluss und auch die Durchfall- und Abbruchquote ist hoch.

Ein weiterer wichtiger Punkt beim Jurastudium ist die Rechtsliteratur. Für das Studium braucht man eine Vielzahl von Lehrbüchern, Fallbüchern, Kommentaren und natürlich Gesetzestexten. Alles davon selbst zu kaufen ist beinahe unmöglich und glücklicherweise auch nicht notwendig. Das Einzige, das man unbedingt kaufen muss, sind Gesetzestexte. Während des Studiums wird man auch mehrfach neue Versionen kaufen müssen. Die Professoren geben in der Regel Empfehlungen ab, welche Bücher man sich kaufen soll. Ein paar Lehr- und Fallbücher zu haben, ist auf jeden Fall empfehlenswert. Diese helfen bei der Vorbereitung auf die Klausuren und auch bei der Lösung der Hausarbeiten. Bei letzteren sollte man aber unbedingt auf die rechtswissenschaftliche Bibliothek (bzw. das rechtswissenschaftliche Seminar) der Universität zurückgreifen. Es wird erwartet, dass man mit vielen verschiedenen juristischen Quellen arbeitet, um die Hausarbeit zu lösen. Es empfiehlt sich auch, eine juristische Zeitschrift zu abonnieren oder aber hin und wieder über die Bibliothek zu lesen. Dort findet man Aufsätze zu wichtigen Themen und auch konkrete Falllösungen.

Sich während dem Studium einen oder mehrere juristische Kommentare zu kaufen, ist nicht zu empfehlen, da diese äußerst teuer und in der rechtswissenschaftlichen Bibliothek bei Bedarf meistens sogar mehrfach vorhanden sind. Wer Geld sparen will und dennoch eine gute Auswahl an Rechtsliteratur außerhalb der Bibliothek verfügbar haben möchte, der kann sich selbstverständlich auch mit anderen Studenten zusammen tun und entsprechende Anschaffungen aufteilen. Eine große Auswahl an Rechtsliteratur findet man in entsprechenden Fachgeschäften und auch bei verschiedenen Anbietern im Netz, wie in der Rechtssektion von Haufe.

Die Berufschancen

Wer es jedoch geschafft hat und einen Juraabschluss in der Tasche hat, dem stehen prinzipiell viele verschiedene Berufsmöglichkeiten offen. Aber auch hier ist die Note von entscheidender Bedeutung. Das Ziel vieler Absolventen ist eine Stelle als Richter oder Staatsanwalt bzw. ein gut bezahlter Anwaltsjob bei einer renommierten Kanzlei. Die entsprechenden Arbeitgeber haben also freie Auswahl unter tausenden Absolventen. Es gibt natürlich auch andere attraktive Berufsmöglichkeiten z.B. in der öffentlichen Verwaltung, als Notar, im diplomatischen Dienst, bei Banken, Versicherungen, im Handel oder in der Industrie, bei Verbänden, Gewerkschaften, bei Hilfswerken und internationalen Organisationen.

Fazit

Nicht jeder ist für ein Jurastudium geeignet und nicht wenige brechen es sogar ab. Deshalb sollte man sich möglichst ausführlich vor dem Studienbeginn informieren. Aber auch das kann natürlich keine Garantie für ein erfolgreiches Studium sein. Leider ist heutzutage auch ein abgeschlossenes Jurastudium keine Garantie für einen gut bezahlten Job mehr. Während einige Absolventen Einstiegsgehälter von über 100.000 Euro im Jahr verdienen, müssen sich andere als Taxi-Fahrer über Wasser halten. Es gibt bereits ein großes Überangebot an Juristen und das wird sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern. Guten Juristen wird die Arbeit jedoch niemals ausgehen.

Felix

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